45 jähriges Dienstjubiläum von Christiane Hübner

04.09.2026
45 jähriges Dienstjubiläum von Christiane Hübner

Ein ganz persönliches Interview mit einem Hauch Nostalgie und ganz viel Herz

Mitarbeiter: Hallo Frau Hübner, vorweg erstmal Gratulation zu 45 Jahren im Dienst! Eine echt beachtliche Leistung. Zum Anfang gleich die wichtigste Frage. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?

Christiane Hübner: Danke! Also ich würde sagen mein Erfolgsgeheimnis ist, dass ich meinen Beruf liebe. Für mich kam nie etwas anderes in Frage. Ich stehe wirklich jeden Tag motiviert auf und gehe gerne zur Arbeit.

Mitarbeiter: Was wäre vielleicht Ihre zweite Wahl gewesen? Oder anders gefragt, was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht im pädagogischen Bereich gelandet wären?

Christiane Hübner: Als kleines Kind hatte ich wie viele auch den Wunsch Friseurin zu werden. Mein zweiter und größerer Berufswunsch war aber etwas in der Natur zu machen. Ich mag es im Garten zu sein. Gartenbau wäre definitiv was für mich gewesen, aber zur damaligen Zeit war sowas noch nicht so gefragt. Außerdem hat mich meine Oma, welche für mich mein Herzensmensch war, schon immer in die soziale Richtung gelenkt. Dazu kam noch, dass ich aus einer großen Familie komme, in der ich es geliebt habe, alles zu organisieren, andere aufzufangen und mich um alle zu kümmern. Daher konnte es eigentlich nur der Erzieherberuf werden.

Mitarbeiter: In 45 Jahren im Job passiert viel. Sehr viel vermutlich. Welche lustige Anekdote fällt Ihnen spontan ein nach über vier Jahrzehnten im Beruf?

Christiane Hübner: Schwer zu sagen. Es ist wirklich viel passiert und einige Erinnerungen verblassen auch mit der Zeit. Was mir aber doch gleich präsent ist, war unser Theaterstück "Schneewittchen und die 7 Zwerge". Zur Erläuterung, früher haben die Mitarbeiter für die Kinder immer ein Theaterstück vorgespielt. Bei "Schneewittchen und die 7 Zwerge" wollte damals jedoch niemand die böse Stiefmutter spielen. Also habe ich mich bereiterklärt, diese Rolle zu übernehmen. Ich denke, ich habe mich dann auch ordentlich ins Zeug gelegt. Verkleidung mit Hut und Rock, die Stimme doll verstellt und so richtig böse und grantig gespielt. Doch die Zuschauer/Kinder haben mir das überhaupt nicht abgenommen. Im Gegenteil, die Kinder haben rebelliert und meinten, dass kann ich nicht sein, weil ich von der Art so überhaupt nicht bin. Selbst nach dem Theaterspiel haben die Kleinen noch ausdiskutiert, dass diese Rolle absolut nicht zu mir gepasst hat. Das war für mich schon wirklich ziemlich amüsant und lustig.

Mitarbeiter: Und wie ist Ihr Erinnerungsvermögen bei peinlichen Geschehnissen?

Christiane Hübner: Oh ja. Das peinlichste, was ich je erlebt habe, war vor vielen vielen Jahren (ich noch relativ frisch im Job), als ich so richtig verschlafen habe und das im Frühdienst. Ich musste eigentlich vor 6:00 Uhr da sein, alles aufschließen und die Kita für die ersten Kinder vorbereiten. Mein Sohn war damals noch klein, hatte den Abend zuvor bei seinen Großeltern übernachtet und mein Mann war im Studium. Daher habe ich mich ausnahmsweise mal mit ein paar Kolleginnen getroffen. Es war auch recht lustig und wurde somit etwas später als geplant. Am nächsten Morgen gegen 6:45 Uhr, völlig verschlafen, habe ich mir vor Schreck schnell die alten Sachen vom Vortag übergezogen und bin dann ohne mich frisch zu machen oder Zähne zu putzen mit dem Fahrrad zur Kita gerast. Als ich um die Ecke kam, sah ich dann auch schon die Massen an Kindern und Eltern, welche auf mich warteten. Dazu kam noch, dass in diesem Moment auch meine damalige Chefin ebenfalls zur Kita ging und das ganze Chaos hautnah miterlebte. Spätestens jetzt war für mich der Tag gelaufen. In meinem Kopf sogar meine gesamte berufliche Laufbahn. Ich hätte im Boden versinken können… Weniger peinlich, aber dafür umso unangenehmer war für mich noch als ich kurz nach der Wende auf Null gesetzt wurde. Aufgrund vom damaligen Sozialplan und personellen Einkürzungen, war ich die jüngste Mitarbeiterin im Haus mit nur einem Kind, die es somit als erstes traf. Obwohl ich jeden Tag mein bestes gegeben habe, musste ich dennoch mein Sachen nehmen und vorerst nach Hause gehen. Da mir zu Hause komplett die Decke auf den Kopf fiel und ich irgendetwas machen wollte, ergab es sich über einen Bekannten, der in einer Großbäckerei arbeitete, dass ich dort aushelfen konnte, um Ware auszuliefern. Vorwiegend war ich in Neubrandenburg, wo zur damaligen Zeit ein neues Wohngebiet gebaut wurde und habe dann dort quasi auf der Baustelle Brötchen verkauft. Verrückt wie das Leben manchmal spielt, kam dann mein Mann eines Tages nach Hause und meinte, in Nord wird eine Kita-Leitung gesucht und dass ich mich doch bewerben solle. Nach kurzer Bedenkzeit und dem Drängen von meinem Mann, habe ich mich am Montag beworben, am Dienstag das Gespräch gehabt und am Donnerstag in der Kita Nord angefangen. Das war der 7. September 1991.

Mitarbeiter: Echt verrückt! Also vom Regen in die Traufe oder in Ihrem Fall vom Brötchenverkauf zur Kita-Leitung!? Nun nach 45 Dienstjahren, wäre es doch normal über die Zeit nach der beruflichen Laufbahn nachzudenken!? Was sind Ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?

Christiane Hübner: Ja, ich werde jetzt gefühlt einmal die Woche gefragt, wie lange ich noch mache, oder wann ich aufhöre, aber das ist für mich absolut noch kein Thema. Ich fühle mich wohl und ich bin gerne hier. Ich habe ein tolles Team an meiner Seite und bin für meine Mitarbeiter da. Und auch die Zusammenarbeit mit den Eltern ist harmonisch und bereitet mir Freude. Vom Gefühl her bin ich definitiv noch nicht so weit, dass ich dieses Haus verlassen möchte. Selbstverständlich muss die Gesundheit mitspielen, aber noch möchte ich meinem Team zur Seite stehen und ein Teil dieser Einrichtung sein. Sollte aber eines Tages der Punkt kommen, an dem ich mich zur Ruhe setzen möchte, wird es wohl nur eine punktuelle Pause, denn selbst im Ruhestand könnte ich mir vorstellen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Was genau weiß ich noch nicht, aber irgendwas im sozialen Bereich.

Mitarbeiter: Aber ein wenig abschalten oder vereisen hätte im Ruhestand noch Platz?

Christiane Hübner: Ja, definitiv. Das Kraftsammeln und -tanken wird nicht außer Acht gelassen. Ich mag es zu verreisen, andere Kulturen kennenzulernen und vor allem rauszukommen. Und ja, einige Urlaubsziele hätte ich schon noch auf meiner Wunschliste. Besonders Südamerika mit Peru und Chile würde ich gerne noch bereisen. Die Landschaften und Gebirge faszinieren mich.

Mitarbeiter: Das klingt doch wirklich nach einem ausgewogenen und vielseitigen Plan für die Zukunft. Hätten Sie zum Schluss vielleicht noch einen Tipp oder Ratschlag für zukünftige Pädagogen oder diejenigen, die liebäugeln ebenfalls einen sozialen Beruf zu erlernen?

Christiane Hübner: Ihr solltet auf jeden Fall mit Herz zur Arbeit gehen. Außerdem lauscht und beobachtet die „alten Hasen“ genau. Damit meine ich aber nicht, dass man alles abnicken muss. Man sollte offen alles aufnehmen, das Beste für sich rausziehen und anschließend vorweg gehen. Seid einfach ein Vorbild für die Kinder und zeigt, dass ihr was bewegen wollt. Wer handelt und arbeitet, macht unweigerlich Fehler, während völlige Untätigkeit zwar fehlerfrei erscheint, aber zu Stillstand führt.

Mitarbeiter: Vielen Dank Frau Hübner für diese ehrlichen Worte, die tollen Fotos und den kleinen Einblick in Ihr Berufsleben.